Montag, 25. November 2013

Die ersten Wochen wieder in Huánuco

Leckere Brötchen in Tomaykichwa
Den ersten Sonntag nach unserer Rückkehr haben wir ein 'festival de pan regional' (Festival des regionales Brotes) in Tomaykichwa (gesprochen: Tomeikitschhua) besucht. Und da wir beide echt dolle leckeres Brot ( keine Brötchen!!!) vermissen, mussten wir da unbedingt hin! Und es gab ziemlich leckere Produkte. Die Bäckereien der Umgebung haben ihren Brötchen (doch kein Brot=O( mit allerlei Früchten und Gewürzen gemischt. Es gab Mango-, Bananen-, Chirimoya-, Oregano-, Käse-, Kartoffel- und sogar Cocabrötchen! Nicht immer wurden die Früchte dabei einfach mit hineingemischt, sondern möglicherweise auch mit eigenem Mehl gebacken. In Peru gibt es neben Weizenmehl viele weitere uns unbekannte Mehlsorten, z.B. Bananen- oder Cocamehl, die getrocknet und dann zerkleinert wurden. Roggen- oder Vollkornbrötchen haben wir leider vergebens gesucht, es wird fast ausschließlich Weizenmehl veerwendet. Haben schon oft nach Roggen gefragt (centeno oder trigo ruso oder trigo negro...), aber bisher nur verständnislose Blicke geerntet.
Das lustige an diesem Tag war, dass wir auch noch eine Torte gewonnen haben. Von der Bühne wurden immer verschiedene Fragen gestellt und mit der richtigen Antwort bekam man eine Torte geschenkt! Die Fragen konnten wir in der Regel nicht beantworten (Was bedeutet der Ortsname „Tomaykichwa“?). Doch dann kam die Ansage, dass der erste Ausländer, der auf die Bühne kommt und sich ausweisen kann, auch eine Torte geschenkt bekommt. Damit konnten nur wir gemeint sein, denn auf dem Fest gab es keine anderen Nicht-Peruaner. Nach einigen Minuten des Zögerns – die Bäcker und die Menschen um uns herum ermutigten uns schon – wagte ich (Falko) mich mit meinem Pass dann nach oben, um die Torte entgegenzunehmen. Dann gab es Foto für die Ortszeitung und Händeschütteln mit dem Bürgermeister, wo ich mir etwas fehl am Platz vorkam. Die Torte haben wir dann gleich auf dem Fest geteilt, nach ein paar Minuten war alles weg :)


endlich mal ein Brot in der richtigen Größe... oh das Krokodil ist wirklich sehr groß...



Heilpädagogik auf dem Land
Am Montagmorgen fuhren wir wieder zu Miguel (Name geändert) nach Ingenio. Miguel ist 10 Jahre alt und aufgrund von Grünem Star auf beiden Augen blind. Innerhalb seines häuslichen Umfelds kann er sich ganz gut orientieren und spaziert selbstständig seiner Wege. Sich sprachlich zu verständigen fällt ihm dagegen schwer. Die Schule des Dorfes kann er nicht besuchen. Die Lehrer fühlen sich angesichts seiner Schwerstmehrfachbehinderung überfordert. Zwar gibt es in Huánuco Förderschulen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen, aber dafür ist der Familie der Aufwand des täglichen Hin- und Herfahrens zu groß. Seit September darf ich (Sarah) nun einmal wöchentlich eine heilpädagogische Förderung mit Miguel gestalten. Wir freunden uns immer mehr an und haben viel Spaß zusammen. Besonders das Schaukeln in einer großen Stoffbahn genießt er. Und Falko und mir wächst der Bizeps =O)

Miguel beim Erfahren eines Xylophons


Mistura in Acomayo
Den überwiegenden Teil der vorletzten Wochen haben wir mit der Vorbereitung des Kochwettbewerbs in Acomayo verbracht (da wo CHANCE-Perú auch die Lesekampagne durchführte...erinnert ihr euch?). In fast jeder größeren peruanischen Stadt wird einmal jährlich eine sogenannte „Mistura“ durchgeführt, wo regionale Spezialitäten präsentiert werden und es leckeres Essen satt gibt. So auch am 10.11. in Acomayo. In diesem Städtchen und den umgegebenden Dorfschaften leidet jedes 4. von 10 Kindern an Unterernährung. Von den Bewohnern greifen viele lieber auf die örtlichen Lebensmittelgeschäfte zurück und kaufen Reis aus China und Nudeln aus Italien, anstatt ihr eigenes angebautes Gemüse und Getreide (besser) zu verwerten (selber zu verbrauchen bzw. zu verkaufen). Aus diesem Grund wurde dieser Kochwettbewerb 2012 von Chance angeregt und fand dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Wir verteilten an alle Haushalte Flyer und luden sämtliche Bewohner Acomayos und auch der umliegenden Ortschaften ein. Den Satz „Estamos invitando por un Concurso de Comida aqui en Acomayo“ haben wir dabei so ca. 1000 Mal verwendet. Ein paar Tage vor dem eigentlichen Spektakel wurden auch Workshops zu gesunder Ernährung und diversen Ideen zur Essenzubereitung angeboten, in denen wir auch die Kriterien der Punktevergabe erklärten. Es gab fünf Kategorien, in denen maximal 100 Punkte erreicht werden konnten: Einfache Zubereitung, Verwendung von regionalen Produkten, Ernährungswert, Präsentation sowie Kosten der Speise. Die Juroren waren größtenteils ausgebildete Köche, sogar aus Deutschland war einer angereist! Insgesamt nahmen ca. 70 Personen teil, darunter auch zwei männliche Vertreter! Es war schön anzusehen, wie viel Mühe sich die TeilnehmerInnen gegeben haben und wie stolz und aufgeregt sie waren! Zu gewinnen gab es Präsentkörbe, Bargeld und 25kg-Säcke voll Reis und Zucker. Insgesamt ein langer, ereignisreicher und lohnenswerter Tag.

jede der TeilnehmerInnen bekam eine Schürze :)

hier ein richtiges Gänge-Menü: von links nach rechts: Mais-Flan, Physalis-Saft, Salat aus Lupinensamen, Meerschweinchen in Physalis-Soße und ganz rechts Causa (eine Art gefüllte Kartoffelbrei-Torte) gefüllt mit einer Arakacha (eine Wurzel, sellerieähnlich)



"Platano Relleno" = gefüllte Banane, abgeleitet von "Papa Relleno" = gefüllte Kartoffel, hier hat die Köchin also eine gefüllte Bananen-Kartoffel-Mischung kreiert, war mein (Falko) Geschmacksfavorit



einer der Köche beim Probieren, die Dame ist ganz gespannt, was er wohl sagen wird...


und dazu gab es einige Tänze


der Preistisch!


hier das Gruppenfoto mit den vier ersten Plätzen!

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