Leckere Brötchen in Tomaykichwa
Den ersten Sonntag nach unserer
Rückkehr haben wir ein 'festival de pan regional' (Festival des
regionales Brotes) in Tomaykichwa (gesprochen: Tomeikitschhua)
besucht. Und da wir beide echt dolle leckeres Brot ( keine
Brötchen!!!) vermissen, mussten wir da unbedingt hin! Und es gab
ziemlich leckere Produkte. Die Bäckereien der Umgebung haben ihren
Brötchen (doch kein Brot=O( mit allerlei Früchten und Gewürzen
gemischt. Es gab Mango-, Bananen-, Chirimoya-, Oregano-, Käse-,
Kartoffel- und sogar Cocabrötchen! Nicht immer wurden die Früchte
dabei einfach mit hineingemischt, sondern möglicherweise auch mit
eigenem Mehl gebacken. In Peru gibt es neben Weizenmehl viele weitere
uns unbekannte Mehlsorten, z.B. Bananen- oder Cocamehl, die
getrocknet und dann zerkleinert wurden. Roggen- oder Vollkornbrötchen
haben wir leider vergebens gesucht, es wird fast ausschließlich
Weizenmehl veerwendet. Haben schon oft nach Roggen gefragt (centeno
oder trigo ruso oder trigo negro...), aber bisher nur verständnislose
Blicke geerntet.
Das lustige an diesem Tag war, dass wir
auch noch eine Torte gewonnen haben. Von der Bühne wurden immer
verschiedene Fragen gestellt und mit der richtigen Antwort bekam man
eine Torte geschenkt! Die Fragen konnten wir in der Regel nicht
beantworten (Was bedeutet der Ortsname „Tomaykichwa“?). Doch dann
kam die Ansage, dass der erste Ausländer, der auf die Bühne kommt
und sich ausweisen kann, auch eine Torte geschenkt bekommt. Damit
konnten nur wir gemeint sein, denn auf dem Fest gab es keine anderen
Nicht-Peruaner. Nach einigen Minuten des Zögerns – die Bäcker und
die Menschen um uns herum ermutigten uns schon – wagte ich (Falko)
mich mit meinem Pass dann nach oben, um die Torte entgegenzunehmen.
Dann gab es Foto für die Ortszeitung und Händeschütteln mit dem
Bürgermeister, wo ich mir etwas fehl am Platz vorkam. Die Torte
haben wir dann gleich auf dem Fest geteilt, nach ein paar Minuten war
alles weg :)
| endlich mal ein Brot in der richtigen Größe... oh das Krokodil ist wirklich sehr groß... |
Heilpädagogik auf dem Land
Am Montagmorgen fuhren wir wieder zu
Miguel (Name geändert) nach Ingenio. Miguel ist 10 Jahre alt und
aufgrund von Grünem Star auf beiden Augen blind. Innerhalb seines
häuslichen Umfelds kann er sich ganz gut orientieren und spaziert
selbstständig seiner Wege. Sich sprachlich zu verständigen fällt
ihm dagegen schwer. Die Schule des Dorfes kann er nicht besuchen. Die
Lehrer fühlen sich angesichts seiner Schwerstmehrfachbehinderung
überfordert. Zwar gibt es in Huánuco Förderschulen für Kinder mit
besonderen Bedürfnissen, aber dafür ist der Familie der Aufwand des
täglichen Hin- und Herfahrens zu groß. Seit September darf ich
(Sarah) nun einmal wöchentlich eine heilpädagogische Förderung mit
Miguel gestalten. Wir freunden uns immer mehr an und haben viel Spaß
zusammen. Besonders das Schaukeln in einer großen Stoffbahn genießt
er. Und Falko und mir wächst der Bizeps =O)
| Miguel beim Erfahren eines Xylophons |
Mistura in Acomayo
Den überwiegenden Teil der vorletzten
Wochen haben wir mit der Vorbereitung des Kochwettbewerbs in Acomayo
verbracht (da wo CHANCE-Perú auch die Lesekampagne
durchführte...erinnert ihr euch?). In fast jeder größeren
peruanischen Stadt wird einmal jährlich eine sogenannte „Mistura“
durchgeführt, wo regionale Spezialitäten präsentiert werden und es
leckeres Essen satt gibt. So auch am 10.11. in Acomayo. In diesem
Städtchen und den umgegebenden Dorfschaften leidet jedes 4. von 10
Kindern an Unterernährung. Von den Bewohnern greifen viele lieber
auf die örtlichen Lebensmittelgeschäfte zurück und kaufen Reis aus
China und Nudeln aus Italien, anstatt ihr eigenes angebautes Gemüse
und Getreide (besser) zu verwerten (selber zu verbrauchen bzw. zu
verkaufen). Aus diesem Grund wurde dieser Kochwettbewerb 2012 von
Chance angeregt und fand dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Wir
verteilten an alle Haushalte Flyer und luden sämtliche Bewohner
Acomayos und auch der umliegenden Ortschaften ein. Den Satz „Estamos
invitando por un Concurso de Comida aqui en Acomayo“ haben wir
dabei so ca. 1000 Mal verwendet. Ein paar Tage vor dem eigentlichen
Spektakel wurden auch Workshops zu gesunder Ernährung und diversen
Ideen zur Essenzubereitung angeboten, in denen wir auch die Kriterien
der Punktevergabe erklärten. Es gab fünf Kategorien, in denen
maximal 100 Punkte erreicht werden konnten: Einfache Zubereitung,
Verwendung von regionalen Produkten, Ernährungswert, Präsentation
sowie Kosten der Speise. Die Juroren waren größtenteils
ausgebildete Köche, sogar aus Deutschland war einer angereist!
Insgesamt nahmen ca. 70 Personen teil, darunter auch zwei männliche
Vertreter! Es war schön anzusehen, wie viel Mühe sich die
TeilnehmerInnen gegeben haben und wie stolz und aufgeregt sie waren!
Zu gewinnen gab es Präsentkörbe, Bargeld und 25kg-Säcke voll Reis
und Zucker. Insgesamt ein langer, ereignisreicher und lohnenswerter
Tag.
| jede der TeilnehmerInnen bekam eine Schürze :) |
| "Platano Relleno" = gefüllte Banane, abgeleitet von "Papa Relleno" = gefüllte Kartoffel, hier hat die Köchin also eine gefüllte Bananen-Kartoffel-Mischung kreiert, war mein (Falko) Geschmacksfavorit |
| einer der Köche beim Probieren, die Dame ist ganz gespannt, was er wohl sagen wird... |
| und dazu gab es einige Tänze |
| der Preistisch! |
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