Sonntag, 26. Mai 2013

Bienvenidos a Huánuco! Herzlich Willkommen in Huánuco!


Seit zwei Wochen sind wir jetzt schon in der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und schaffen es erst jetzt einen Eintrag zu schreiben. Wir kommen jeden Tag ein bisschen mehr hier an und sind selbst erstaunt, wie schnell die Stadt und ihre Eigenheiten und auch die Arbeit bei Chance und unsere Nestbauaktivitäten wie selbstverständlich zu unserem neuen Alltag dazugehören. Fragt man die Einwohner so herrscht in Huánuco „el mejor clima del mundo“ - das beste Klima der Welt, was auch treffend scheint. Die Sonne scheint fast den ganzen Tag, es sind ca. 25-30°C, abends kommt ein wenig Wind auf und ansonsten ändert sich das Wetter nicht wirklich. Morgens gibt es noch ein paar Wolken, aber durch die Sonne sind die bis um 8 / 9 Uhr verschwunden. Und die Leute sagen, dass es das ganze Jahr über so bleibt.... (!) Nur in den Monaten Dezember bis März kommt die Regenzeit und dann ist es ein wenig kälter. Die andauernde Sonne hat aber zur Folge, dass es mittags wirklich ziemlich heiß ist und wir „gringos“mit unserer hellen Haut lieber in den Schatten  flüchten. Da monatelang kein Regen fällt ist es auch sehr trocken und die Arbeit auf dem Felde dementsprechend hart. Extrem wichtig sind daher die Wasserwege und die Bewässerung der Felder, wenn man auf dem Dort wohnt.

Eine Wohnung? Ein Zimmer? Ein Bungalow!

Am Samstag, den 11. Mai, wurden wir am Busbahnhof von Luis, dem Leiter von Chance Peru in Empfang genommen. Die ersten beiden Nächte haben wir dann bei ihm zuhause verbracht, da die Büroräume von Chance am Sonntag geschlossen sind. Am Montag sind wir dann in das Gästezimmer im Begegnungszentrum gezogen, wo wir nicht mal eine Woche gewohnt haben. Spontan und mit Gottes Hilfe haben wir nämlich eine Anzeige eines Zimmers gefunden, in dem wir jetzt wohnen. Wir haben es angeschaut und nachdem uns keine Gründe eingefallen sind, wieso wir hier nicht einziehen sollen, haben wir zugesagt.
 Unsere Wohnung, oder sagen wir besser unser Zimmer befindet sich in einem ruhigen Stadtviertel namens „Paucarbambilla“. Wir wohnen im 2. OG (und grüßen hiermit besonders alle 2.-OG-WUMSerInnen =O), etwas nach hinten versetzt, so dass wir nach vorne eine große Terrasse haben. Unser Zimmer, Sarah hat es mal Bungalow genannt, ist sehr einfach, für unsere Zwecke aber vollkommen ausreichend. Vielleicht ca. 3x8m groß, nochmal getrennt in der Mitte durch eine Metallwand, mit WC und Dusche (zusammen, wenn der eine duscht und der andere gerade auf dem Klo sitzt, werden beide nass und kalt....=O) und einem Spülbecken.
Wir sind immer noch dabei uns einzurichten, da es vollkommen unmöbliert war.  Jeden Tag versuchen wir ein wenig zu erledigen und zu besorgen (wobei es mir (Sarah) nicht schnell genug gehen kann), so dass in ein bis zwei Wochen (hoffentlich aber schon viel eher) unser Nest vollkommen ist. Momentan fühlt es sich noch nach etwas Vorübergehendem an. Von Chance haben wir einige Sachen bekommen, aber wir haben auch schon einiges gekauft. Wir können schon Müsli und Tee kochen (Juchhu....wir haben Müsli gefunden), da wir zwei Herdplatten haben und eine dazugehörige Gasflasche ( =Riesig). Herde mit Elektrizität sind hier nicht so häufig anzutreffen. Eine Matratze war unsere erste Anschaffung und eine Kommode und einen Esstisch können wir auch schon unser eigen nennen.=O)


Chance Peru

Gleich am ersten Montag ging es los. Erstmal eine kurze Vorstellung aller MitarbeiterInnen sowie der Arbeitsbereiche und dann wurden wir immer mehr in die Arbeit mit hineingenommen. Wir beginnen um 8h und arbeiten bis mittags um 13h, danach gibt es 2 Stunden Mittagspause und dann geht es noch von 15h bis 18h weiter. Da an den Wochenenden mit den Kids von „Padrinazgo“gerade einige Aktionen laufen, sind wir auch zur Zeit auch Samstags nochmal von 8h bis 13h eingespannt.

Im Begegnungszentrum selber ist die Akademie untergebracht. APPA – Academia Preuniversitaria Peruana Alemana – peruanisch-deutsche voruniversitäre Akademie. Die Bildungslandschaft in Peru ist so aufgebaut, dass es zwei Arten von Schulen (und auch Universitäten) gibt: die staatlichen und die privaten. Die Ausbildung im staatlichen Zweig ist leider nicht ausreichend, um eine Aufnahmeprüfung für ein Studium zu bestehen. Aus diesem Grund haben sich „Akademien“ herausgebildet – welche interessierte Jugendliche innerhalb von 3 Monaten auf die Aufnahmeprüfungen an den Unis vorbereiten. Die Akademie von Chance ist für einkommensschwache Schüler bzw. Familien gedacht, da die Kosten zur Hälfte von Spendern übernommen werden. Die Akademie wird von Daniel gemanagt, richtig mitarbeiten können wir da nicht, da die Kurse sehr themenspezifisch sind und von Lehrern bzw. Professoren gegeben werden. Genau an unserem ersten Tag, am 13. Mai, hat wieder ein Trimester begonnen. Da noch Plätze frei waren, haben wir in den ersten Tagen viele Flyer verteilt und zur Akademie eingeladen. Daniel hat uns auch schon gefragt, ob wir vielleicht Englisch- und/oder Deutschunterricht geben könnten. Vamos a ver = Wir werden sehen.

Die Arbeit von Josi betrifft die Vergabe von Mikrokrediten zum Starten oder Verbessern von Kleinunternehmen, um eine bessere Einkommensbasis für den Einzelnen bzw. die Familie zu schaffen. Josi nahm uns zu einer Kreditübergabe mit und auch zu den weniger angenehmen Mahnungen vor der Einleitung gerichtlicher Verfahren wegen überfälliger Rückzahlungen. Für eine Vergabe muss sich eine Gruppe von vier bis acht Personen finden, die alle jeweils ein kleines Geschäft haben. „Unsere“ Gruppe war sehr gemischt, 3 Männer, 2 Frauen alle zwischen 18 und 50 Jahren. Von der jüngeren Frau wurde ich (Sarah) auch prompt gefragt, ob ich nicht Patentante ihres wunderwinzigen 2 Wochen jungen Söhnchens werden möchte...Wir haben uns erstmal darauf geeinigt, dass wir uns allesamt näher kennenlernen, aber bis auf eine weitere kurze Begegnung in San Luis auf der Straße haben wir uns nicht mehr gesehen. Mit den Mikrokrediten werden nur kleine Unternehmen unterstützt (Mototaxi, Straßenladen, etc.). Es kam bisher nur einmal vor, dass zwei Personen bei einem Geschäft beschäftigt waren. Pro Person wird ein Kredit von 300 Soles gezahlt (etwas weniger als 100€; 1€ = 3,5 Soles), der dann in sechs Monatsraten zurückgezahlt wird, leider nicht zinsfrei, wie wir ursprünglich annahmen. Bei zuverlässiger und pünktlicher Rückzahlung kann erneut ein Kredit aufgenommen werden, der dann auch höher ausfallen darf. Bei der Kreditübergabe, bei der wir dabei sein durften, wurden zuerst von jeder Person die Daten aufgenommen und dann ein entsprechender Vertrag unterzeichnet. Anschließend gab Josi den Kreditnehmern anhand selbsterstellter Plakate noch einige Tipps, wie sie ihre Kleinstunternehmen verbessern können. Wir hatten viele Fragen an Josi und konnten uns auch noch nicht auf alle Antworten einen Reim machen. Wird bestimmt noch spannend werden, wobei wir bestimmt weniger im Bereich Mikrokreditvergabe eingesetzt werden, da dies vor allem Büroarbeit und Beratung erfordert. Hierfür fehlen uns einfach die spezifischen Sprachkenntnisse (und mir (Sarah) zusätzlich auch der Wirtschaftssinn).

Dann gibt es das Patenschaftsprogramm („Padrinazgo“). Im Stadtteil San Luis (eine slumähnliche, sehr ärmliche Wohngegend) und im Dorf Ingenio Bajo werden insgesamt ca. 100 Kinder von Paten aus Deutschland durch einen monatlichen Betrag unterstützt. In den vergangenen zwei Wochen haben wir insbesondere in diesem Projekt, besonders in San Luis, mitgewirkt und dies wird bestimmt auch in Zukunft so sein. Momentan werden zwei unterschiedliche „Talleres“ (direkt übersetzt heißt es 'Werkstatt', aber natürlich eher im Sinne eines 'Workshops' ) angeboten. An den Samstagen werden Handtücher und Stoffbeutel (die am 05.06., dem Tag der Umwelt verteilt werden  und das Müllbewusstsein steigern sollen. Bei jedem Einkauf müssen wir mindestens dreimal sagen, dass wir keine Plastiktüte haben wollen.) genäht, die wir unter der Woche zusammen mit Kathy, der Psychologin, die hauptamtlich im Bereich „Padrinazgo“ engagiert ist, vorbereitet haben. Mit viel Geduld und Zähneknirschen wissen wir jetzt auch wie „Señora Siruba“ und „Señor Jack“ (die beiden Nähmaschinen) funktionieren und was sie zum flüssigen Rattern benötigen. Oft sind sie einfach viel zu schnell für uns; *schwidd* und schon biste durch, das man da korrekt näht, ist für uns Amateure fast unmöglich. Wir haben leider keine Einstellung gefunden, die das verlangsamt, sondern nur eine, die die Nadel zertrümmert. Also finden wir uns damit ab und üben uns in Geduld und im Nähen=O).
Sarah beim Kennenlernen der grossen und komplizierten Kettel-Naehmaschine

Der andere „Taller“ wird von Delhi gestaltet, der Agrarwissenschaftlerin des Chance-Teams. Dabei bauen wir mit den Kids aus Plastikflaschen Mini-Beete, die auch auf kleinstem Raum einen Platz finden. Zeitgleich bereiten die Mütter der Kids einen leckeren Salat zu, der dann von allen verspeist werden darf und auf die zukünftig erntbaren Radieschen, Salatblätter, Zwiebeln, Möhren und Korianderkräuter einstimmt. Viele der Kids mögen lustigerweise keine Radieschen. Christopher, einer der chicos, kam auf die Idee seine Radieschen an die Schildkröte des Hauses zu verfüttern, sehr zur Belustigung aller und zur Freude der sehr hungrigen „tortuga“.

beim Basteln der Flaschen

hier die fertigen Ergebnisse :)

und so sieht es dann fertig aus, nun nur noch regelmaessig giessen!
Mit Delhi fahren wir auch jeden Mittwoch nach „Ingenio Bajo“. Vormittags helfen wir den Schülern bei der Errichtung eines Schulgartens und nachmittags unterstützen wir eine Gruppe von Dorfbewohnern beim Anbau diverser Pflanzen, die sie später auf dem Markt verkaufen können. Dadurch wissen wir jetzt auch wie Kaffee gepflanzt wird und wie sensibel diese Pflanze ist. Zuerst muss der Sand gründlich gewaschen und desinfiziert werden, bevor der Samen liebevollst in die Erde gesetzt wird. Die Frauen aus „Ingenio Bajo“ sind sehr neugierig und wir sind oft das Thema ihrer Gespräche (vor allem unser Vegetarier-Dasein=O). Wenn wir das mitbekommen und darauf reagieren, sind sie oft verlegen und kichern gemeinsam. Allmählich können wir uns auch einige Namen merken. Dann freuen sie sich sehr.

beim Einpflanzen der Kaffeebohnen
 Wir könnten euch noch ganz viel mehr erzählen über unser Leben hier....aber davon beim nächsten Mal=O)
Seid gesegnet all ihr Lieben!



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen