Sonntag, 12. Mai 2013

Choquequirao


Nachdem es Falko gelungen war ein vertrauenswürdiges und kompetentes Reisebüro ausfindig zu machen, buchten wir die Tour und suchten eifrig nach Mitläufern, die unsere Gruppe vervollständigen und den Preis etwas heruntersetzen würden. Irgendwie fand sich jedoch niemand und so waren wir am Freitagabend (03.05.) zum „Briefing“ mit unserem Guía Samuel zu dritt. Wir erhielten letzte Infos zur Tour, weise Ratschläge, wie z.B. Moskitovertreibungsmittel mitzunehmen, und unsere Packtaschen.

Früh um 5.00 Uhr am Samstagmorgen wurden wir abgeholt und mit unseren Begleitern, Timoteo dem „jefe de la cocina“ und seiner Tochter Nicolesa, bekannt gemacht. Unterwegs wurden noch allerlei Säcke und Tüten mit Brot und ähnlichem eingesammelt, aber davon bekamen wir kaum etwas mit...gähn...war ja noch so früh! Nach 4 Stunden Fahrt kamen wir in San Pedro de Cachora an. Timoteo zauberte schnell noch ein 4-Gänge Menü fürs Mittagessen und dann ging es endlich los. Uns juckten schon richtig die Füße vor Wanderlust! Am Plaza des Ortes trafen wir noch auf eine Gruppe, die gerade von Choquequirao zurückkam. Ihr Kommentar klingt noch heute in meinen (Sarahs) Ohren. „It is really worth it, even all the pain!“ Na das kann ja heiter werden. Etwas skeptisch geworden machten wir uns auf den Weg. Den ersten Tag mussten wir insgesamt schon 21km zurücklegen, wobei wir erstmal 9km ohne Auf- oder Abstiege gelaufen sind. Erst danach fing der richtige Trek an, dort wo man auch mit dem Auto nicht mehr hinkommt. Und das ging dann richtig bergab! Ein Höhenunterschied von 1400m auf 12km...da zwickten Knie und Waden. 

Da wir erst nach dem Mittagessen losgelaufen sind, haben wir die Tagestour dann auch nicht mehr im Hellen bewältigen können und die letzte Stunde haben wir nur mit Stirnlampe geschafft. Timoteo hatte die Zelte dann schon aufgebaut und es war auch schon fertig gekocht, so dass wir selber gar nichts mehr zu tun brauchten. Daran mussten wir uns erst gewöhnen! Mit zwei Pferden (na ja, eher Ponys...), die Zelte, Geschirr und Essen trugen, hatte er uns nämlich unterwegs überholt. Nach dem Essen ging es schnell ins Bett, schließlich mussten wir am nächsten Morgen wieder zeitig (6h30) aufstehen, damit wir die nächste, anstrengende Etappe noch in der Kälte des Morgens und im Schatten genießen und nicht in der prallen Sonne noch mehr schwitzen.

Der 2. Tag fing sehr lustig an, wir hatten nämlich per Drahtseilkorb einen Fluss zu überqueren.
Der „Apurimac“ (zu deutsch: „Gott spricht“) ist ein ziemlich reißender Fluss, in dem man bestimmt nicht baden gehen möchte. Eigentlich gibt es an dieser Stelle auch eine Brücke, die wurde aber vor einigen Monaten vom Fluss weggerissen. Eines Nachts gab es einen großen Steinrutsch, der den halben Fluss einnahm. Dieser suchte sich nun ein neues Flussbett und nahm dabei auch die Brücke mit. Und bis wieder eine neue gebaut ist – was sicher noch einige Zeit dauert – wurde einfach ein Drahtseil gespannt und ein Metallkorb drangebaut, den man sich dann immer erst ans Ufer holen muss und mit dem man sich dann hinüber zieht. Erst dachte ich (Falko): „Oh nein, das hält doch nicht.“ Doch dann war die Überfahrt ganz lustig. 


Und danach ging es so richtig los. Am vorherigen Tag hatten wir schon gesehen, was uns erwartet und die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen bzw. optimistisch gesagt, wenn Samuels 85-jährige Großmutter das noch mit Hilfe eines Ponys schafft, dann werden wir das auch hinkriegen. Das Gleiche, was wir gestern hinab gelaufen sind, ging es nun wieder hinauf, nur mit dem Unterschied, dass die Steigung noch etwas größer war. Insgesamt galt es innerhalb von 7km den Berg zu erklimmen, immer nur in Zick-Zack-Serpentinen-Art, 1300m höher... Wir haben es schließlich in 6 ½ Stunden und mit eiserner Willens- und Muskelkraft geschafft, in Marampata, dem Dorf von unserem Guía anzukommen. Den restlichen Nachmittag hatten wir frei zum Ausruhen (descansar =O) und das haben wir auch sehr gebraucht, wir waren sowas von erschöpft...!


Bei mir (Falko) ging es dann körperlich nicht mehr so bergauf, die Strapazen oder...? schlugen mir auf den Magen, sodass es zum Abendessen nur Tee der Muña-Pflanze für mich gab.

Am 3. Tag ging es dann zu den Ruinen von Choquequirao, wo wir den ganzen Tag verbrachten. Falko ging es etwas besser, weshalb wir gemeinsam aufbrachen. Auf dem Weg dahin legten wir viele Pausen ein, sodass wir nicht anderthalb Stunden, sondern ca. 3 Stunden brauchten. Auf das Mittagessen hatte ich (Falko) dann aber Hunger und mit dem Ausruhschlaf kam auch die Kraft zurück, so dass ich wieder fit genug war, um die Überreste der alten Inka-Stadt mit anzuschauen.
Angekommen!
 Choquequirao ist bis heute noch nicht ganz ausgegraben bzw. freigeräumt, viele Teile sind immer noch unter dem Bergdschungel verborgen, man kann aber am Rande der Wege Mauern entdecken. Restauriert und zugänglich gemacht sind z.Zt. ca. 30-40%, aber schon das allein ist ziemlich weitläufig und umfassend! Wenn man diese ein wenig verstreuten Bauten und Anlagen noch verbindet und freilegt, ergibt dies ein riesiges Gelände, und das inmitten ziemlich abschüssiger Gegend. Die Inkas waren wirklich Meister darin, an ziemlich unerreichbaren Orten zu leben. Die Stadt umfasst einen Hauptplatz, mehrere Wohngebäude, Vorratshäuser, einen erhöhten Platz zur Ausübung ihrer Religiosität, einen Tempel und jede Menge Terrassen zum Anbau von Lebensmitteln (Mais, Kartoffeln, Lucuma, Chirimoya, Quinoa etc.).
 By the way „Sara“ ist ein Quechua-Wort und heißt Mais. Es wird geschätzt, das ca. 300 Menschen hier leben konnten. Uns wurde dann auch klar, wozu diese außergewöhnliche Lage noch gewählt wurde. Hier konnte man einfach sehr schlecht angegriffen werden und man sah seine Feinde viele Stunden, bevor sie da waren. Alles Gründe, warum Choquequirao auch nie von den Spaniern entdeckt bzw. erobert wurde. Wir verbrachten mehrere Stunden dort, und unser Guía Samuel erklärte uns, wozu die einzelnen Gebäude genutzt worden etc.

In der Dämmerung kamen wir dann wieder in Marampata an.
¿Seht ihr unser orangenes Zelt?
 Eine weitere Nacht dort war wirklich schön, denn dieses Dörfchen liegt weit weg von jeglicher Zivilisation. Es gibt ca. 10 Familien, die alle irgendwie miteinander verwandt sind. Mensch und Tier leben hier miteinander, die Hühner spazieren überall herum, die Meerschweinchen quieken im Haus und die Pferde und Kühe stapfen die Berge hoch und runter. Und nachts ist wirklich Ruhe, man hört nicht mal Vögel, wenn man genau die Ohren spitzt, kann man den Apurimac hören. Wunderbar zum Schlafen, und frühmorgens wecken einen dann die Hähne.

Am 4. Tag ging es dann den ganzen Berg wieder hinab, über den Fluss und in schlimmster Hitze (gefühlt 45°C) ein Stück den Berg hinauf.
 Unser Mittagessen nahmen wir in Chikisqua ein, einem Campingplatz auf dem Weg. Eigentlich war es geplant am Nachmittag noch zum nächsten Campingplatz zu gelangen, um am letzten Tag mehr Zeit zum Aufstieg zu haben, doch dessen Besitzer war zeitweilig nicht da, so dass Kühe, Ponys und Esel unbeaufsichtigt waren und die Zelte (nebst Bewohner....?) dann vielleicht am nächsten Tag angeknabbert wären... Uns war das ganz recht, denn wir hatten unterwegs von einem Wanderer erfahren, dass er dort eine Vogelspinne mit Baby auf dem Bauch (wie niedlich *hüstel*) am Zelt hatte. So hatten wir den Nachmittag frei und Samuel zeigte uns wie Zuckerrohr in einer Kombination aus Mühle und Presse zu Saft verarbeitet wird. Eigentlich wird diese von einem Pony angetrieben, aber diesmal durfte es Pause machen, wir mussten herhalten und durften zur Belohnung frischen Zuckerrohrsaft kosten. Wenn dieser Saft einige Tage abgedeckt in der Wärme stehen gelassen wird, setzt eine Gärung (oder Fermentation?) ein und man hat ein alkoholisches Getränk namens „Chicha de caña de azucar“! Je länger es gärt, desto stärker wird es. Verbreiteter in Peru ist jedoch die „Chicha“, die aus Mais hergestellt wird, dann dauert der Prozess jedoch ein wenig länger.
 
¡Hakuchi! (Auf geht`s) zur letzten Etappe!

Am letzten Tag mussten wir aufgrund des längeren Weges noch eher aufstehen...wir wurden um 4 Uhr geweckt, wie immer mit einer Tasse Tee. Eine halbe Stunde hatten wir zum Packen, dann wurde gefrühstückt, wobei Timoteo noch einmal seine Künste zeigte und uns eine Torte servierte (wie hat er das gemacht?). Kurz vor Beginn der Dämmerung brachen wir dann auf, die letzten Stunden den Berg hinauf und zurück nach San Pedro de Cachora. Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück, denn der Nebel und die Wolken hielten sich noch viele Stunden, so dass der Aufstieg angenehmer war. Oben angekommen, erkletterten wir noch einen kleinen Hügel und machten – nun in der Sonne – eine Pause und genossen die wunderbare Aussicht.
 Samuel nahm noch einen kleinen Videobericht für das Reisebüro auf und dann sahen wir ihn.......lange erwartet und erhofft, bekamen wir doch noch den König der Lüfte, einen Kondor, zu sehen! Er kreiste vom Tal in die Höhe hinauf, ein paar Minuten später noch einer! Wie schön, dies zum Abschluss zu erleben! Danach ging es dann nur noch die gerade Strecke nach Cachora in der Mittagssonne zurück. Insgesamt haben wir also 5 Tage und 4 Nächte gebraucht, es gibt auch Angebote von 4 Tagen und 3 Nächten, das wäre aber noch um einiges anstrengender geworden. Respekt vor den Menschen, die dort leben und die Strecke Cachora – Marampata an einem Tag bewältigen! (Und wir dachten, wir wären fit.....)
Für uns waren diese Tage trotz aller Strapazen ein echtes Geschenk.Wir sind froh, dass wir diesen Trek gemacht haben, auch weil wir an vielen Stellen unsere Grenzen überwinden mussten. Erstaunlich zu sehen, wozu man doch in der Lage ist. Und die Natur, die Berge, die Weite, die Landschaft, war einfach „hermoso“- wunderschön! Wir hätten manchmal einfach nur stundenlang an einem Fleck sitzen und schauen und staunen wollen. Es ist mit den Alpen  nicht zu vergleichen, da liegen die Berge bzw. die Täler viel enger beieinander. Hier ist alles viel größer, breiter, tiefer. Wundervoll, dies alles zu sehen und erleben zu dürfen:)

Vielen Dank an all die lieben, eifrigen Ponys!
PS: Übrigens sind wir gestern in Huánuco angekommen, dazu demnächst mehr.

7 Kommentare:

  1. Einfach atemberaubend Euer Trek!!!

    Und wovon waren Eure Zungen so rot??

    Grüße aus Obercarsdorf !!

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  2. Hallo ihr Zwei, da bekommt man auch Lust die Berge und die Natur zu Geniesen. Der Ausflug war eien sehr gute Entscheidung, ich hätte mich euch angeschlossen.Eine Erinnerung die man nie vergisst!
    Ich wünsche euch weiterhin Gesundheit und Gottes Segen

    Liebe Grüße Sebastian

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  3. Danke fuer eure Gruesse!

    Unsere Zungen waren vom Nachtisch so rot. Es gab Erdbeer-Wackelpudding mit viel Farbstoff...!

    sarah y falko

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  4. Beeindruckender Bericht, tolle Fotos. Da bekommt man gleich Lust zu Wandern. :)

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  5. ihr glücklichen!!
    ich war letztes jahr dort, da gab es über den rio ápurimac nur das drahtseil, was bedeutet, daß ich mich mit 20 kg gepäck hinüber hangeln musste. auf der anderen seite wartete dann kein esel auf mich, ich durfte schön bis choquequirao alles hochschleppen. das wurde aber belohnt, da ich der einzige mensch in der ruine war.
    viel erfolg bei eurer weiteren tour. ;)

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  6. das ist sicherlich ein ganz schoenes Stueck Arbeit. Wir haetten das wahrscheinlich nicht geschafft...

    wer bist du denn?

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    1. ich bastel gerade an meinem blog.... "hans der kleingärtner auf abwegen"... oder so...
      ich gebe euch dann bescheid, wenn er fertig ist....
      schade, dass ihr nicht weiter gelaufen seid... es wird zwar nicht weniger anstrengend, aber es hätte sich sicherlich für euch gelohnt.. die strecke über yanama und tutora nach santa teresa ist sehr beeindruckend, die dort an dem trail lebenden menschen sehr gastfreundlich.
      euer bericht hat mir gefallen, da ich das gefühl hatte, dass ich mit euch mitgelaufen bin.
      gruß
      micha

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